Intelligenz und Intuition


Spannungsfelder zu Synchronie wandeln und ganzheitliches Handeln ermöglichen

Jeder kennt Momente im Leben, in denen man schon „aus dem Bauch heraus“ entschieden hat. Man hat zwischen Argumenten abgewogen, ist am Ende aber dann seinem Bauchgefühl gefolgt. Und wahrscheinlich kennen die meisten Menschen auch dieses Gefühl, wenn man einen Raum betritt und sofort einen Eindruck über die Stimmung dort hat. Die Intuition ist in unserer Gesellschaft in der Vergangenheit häufig belächelt worden. Dabei hatte schon Albert Einstein klar und unmissverständlich gesagt: „Was wirklich zählt, ist die Intuition“. Er beschrieb dabei die Intuition als ein heiliges Geschenk und wies dem rationalen Verstand die Rolle des treuen Dieners zu. Schon damals erkannte er aber, dass die Gesellschaft den Diener als König verehrt und das heilige Geschenk dabei vergessen hat. Viele Jahrzehnte später knüpfte Steve Jobs daran an und erinnerte in einem bekannten Zitat, dass wir die Courage haben und unserem Herzen und der Intuition folgen sollten.

 

Intuition ist zudem eine echte Autorität – sie zwingt uns zu nichts, aber man ist im Grunde aufgefordert ihr nachzugehen. Wenn man das Gefühl hat, gegen seine Gefühle oder innere Stimme zu handeln, dann kommt man in Konflikte.

 

 

In den letzten Jahren haben sich zahlreiche Wissenschaftler, vor allem aus dem Gebiet der Neurowissenschaft, mit der Intuition beschäftigt. Dabei lässt sich der Begriff selbst nur schwer greifen, weil für die Intuition keine allgemeingültige Definition existiert. Wir verstehen sie als implizites Wissen, das wir rational, also mit Worten kaum beschreiben können. Ganz grob kann man vier Erscheinungsfelder von Intuition beschreiben:

 

  • Intuition als Geistesblitz, spontane Einsicht oder kreative Eingebung
  • Intuition bei Entscheidungen im Leben
  • Intuition im Kontakt mit Menschen
  • Intuition als Vorahnung über die Zukunft

 

Alle vier Bereiche gehen im Leben oft fließend ineinander über. Der Bereich der Vorahnung lässt sich dabei rein wissenschaftlich am wenigsten erklären. Aber nicht nur Shakespeares Hamlet meint: „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als die Schulweisheit erträumen lässt.“ Der deutsche Physik Nobelpreisträger Prof. Binnig unterstreicht dies mit der Aussage, dass die Realität zu komplex sei, um sie rational verstehen zu können. Man müsse dem Weg der Intuition folgen.

 

Aber wie können wir in einer Welt der Aufmerksamkeitsökonomie wieder vermehrt unserer inneren Stimme folgen? Gibt es diese Stimme überhaupt noch und hat wirklich jeder Zugriff darauf? Diese Frage kann klar mit Ja beantwortet werden. Jeder Mensch verfügt über diese Gabe. Sie ist eine Fähigkeit, die jeder trainieren und verbessern kann. Menschen, die viel Erfahrung mit Intuition gesammelt haben, erleben diesen Zustand häufig als Moment von tiefer Stille. Man ist wie ein leeres Gefäß und lässt hinein fließen, was gerade hinein möchte. Der Neurowissenschaftler und Autor Prof. Ernst Pöppel beschreibt das Erleben dieser Momente als das „Finden einer richtigen Frage. Nicht die Antwort ist die Intuition, sondern die Frage ist die Intuition.“

 

 

Intuition und Kreativität

 

Wenn unsere Intuition uns Geistesblitze und kreative Momente beschert, konnten Neurowissenschaftler eine geringere Aktivität der Frontallappen im Gehirn feststellen. Bei Intelligenz ist eine hohe Geschwindigkeit im Denkprozess entscheidend. Beim kreativen Denken geht es langsamer und auf mehr Umwegen zu. Verschiedene Ströme treffen sich dabei öfters. Neue Ideen entstehen. Das Denken ist in dem Moment weniger stark kontrolliert und weniger fokussiert. Die Gehirnaktivitäten sind freier – viele Prozesse laufen dann gleichzeitig ab. Auch hier kann Meditation dabei helfen, die Aktivität der Frontallappen etwas herunterzufahren.

 

 

Wie kann heute man intuitiver leben?

 

Wir haben stets die Möglichkeit, das Zusammenspiel von Intuition und Ratio in uns zu gestalten. Auf der einen Seite stehen wir unter ständigem Einfluss, den die Welt und andere Menschen auf uns ausüben. Auf der anderen Seite haben wir die Fähigkeit, mit unserem Frontalhirn diese Einflüsse kritisch zu beobachten und zu entscheiden, wovon wir uns leiten lassen möchten. Es ist wichtig, dass wir uns im Leben immer wieder auf intuitive Erfahrungen einlassen und das wir auf unsere Gefühle hören, die auftreten wenn wir in Kontakt mit einem anderen Menschen sind. Wir sollten aber ebenso mit unserem Verstand prüfen, ob Gefühle und mögliche Veränderungen, die andere in uns ausgelöst haben, auch gut für uns sind.

 

 

Ein Blick zu den Naturvölkern

 

Wenn wir den Blick auf das Leben von Naturvölkern richten, so stellen wir fest, dass diese Menschen ganz natürlich das tun, was wir Intuition nennen. Dort ist Intuition gelebter Alltag. Die Menschen geben ihren Gefühlen und nicht rationalen Gedanken mehr Raum und schenken ihnen mehr Beachtung. Gleichzeitig wird dieses Empfundene nicht aufgebläht oder mystisch verklärt. Indigene Kulturen wenden häufig ganz natürlich an, was wir aus Seminaren zu den Themen Führung, Kommunikation oder emotionale Intelligenz kennen. In unserer Welt lernen wir meist mit Hilfe von Tools, Tipps und Techniken. Das geht schnell. Der Nachteil dabei ist jedoch, dass oft die objekthafte Methode gelernt wird, aber die dazu angemessene Haltung nicht. Wir legen in unseren Seminaren viel Wert darauf, neben den Techniken auch Erlebnisräume zu schaffen, in denen die Teilnehmenden Erfahrungen machen und eigene Erkenntnisse sammeln können.

 

 

Intuition selbst trainieren

 

Um Ihre Intuition zu trainieren, können Sie schon heute folgende Übungen direkt und ohne fremde Hilfe ausprobieren:

  • Nutzen Sie einfache Meditationstechniken um für einen Moment zur Ruhe zu kommen. Laden Sie die Stille ein – äußerlich wie innerlich. Sitzen Sie entspannt und nehmen bewusst Ihren Atem wahr. Nutzen Sie das innere Bild eines leeren Gefäßes, in das die Intuition hineinfließen kann. Seien Sie in diesem Moment dieses leere Gefäß.

 

  • Gehen Sie an die frische Luft und machen Sie einen längeren Spaziergang wenn Sie lange über Entscheidungen brüten oder wenn Sie sich im Grübeln wiederfinden. Körper und Geist kommen so in Bewegung und dies tut dem Denken gut! Suchen Sie nicht nach Antworten, sondern lassen Sie sich von neuen Fragen überraschen.

 

  • Gerne besucht uns die Intuition auch früh am Morgen, wenn wir gerade wach geworden sind. Gönnen Sie sich noch einige Minuten mit dem Kopf im Kissen. An welche Träume können Sie sich erinnern? Darüber hinaus: Welche guten Gedanken kommen vielleicht „wie von selbst“? Notieren! Dazu am besten immer einen Block mit Stift am Bett haben.


Gehen Sie die Sache mit der richtigen Haltung an. Laden Sie die Intuition ein und seien Sie ihr ein freundlicher Gastgeber. Intuition kann niemals und durch keine Methode erzwungen werden. Bemühen Sie sich nicht! Mühe verhindert, dass die Intuition frei fließen kann. Machen Sie es vielmehr wie die Atemtherapeutin Herta Richter: „Intuition kommt aus einem Raum, zu dem ich mich öffne.“

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